Entwurf. Die Prüfung durch Lehrkräfte steht aus. Bitte vor dem Einsatz im Unterricht selbst prüfen.
Sanktionen sind ein Thema, bei dem kluge Leute gegensätzlich urteilen. Diese Mappe für Politik, Wirtschaft, Geschichte und Ethik in der Sekundarstufe I und II hilft, es kontrovers zu unterrichten, ohne zu überwältigen: vier Bausteine zu je 90 Minuten, fünf Arbeitsblätter, ein Planspiel „Rat der EU“ und ein Methodenblatt, wie man eine Zahl prüft.
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Warum kontrovers?
Ob Sanktionen erlaubt sind, ob sie wirken und wen sie treffen, darüber streiten Regierungen, Gerichte und Forschende. Die Bundeszentrale für politische Bildung fasst den Beutelsbacher Konsens von 1976 in drei Grundsätzen zusammen: das Überwältigungsverbot, das Gebot, Kontroverses kontrovers darzustellen, und die Befähigung der Lernenden, eine politische Lage und die eigenen Interessen zu analysieren. Diese Grundsätze passen zur Überparteilichkeit von „Helfen statt Blockieren“: Die Mappe stellt Positionen mit Belegen nebeneinander und überlässt das Urteil den Lernenden.
| Baustein | Thema | Inhalt | Material |
|---|---|---|---|
| 1 | Was ist eine Sanktion? | Einstieg mit Woodrow Wilsons Wort vom „stillen, tödlichen Mittel“; Begriffe Embargo, gezielte Sanktion, Blockade im Krieg; Zeitleiste vom Berliner Dekret 1806 bis heute. | Arbeitsblatt 1 |
| 2 | Wirkt das? | Drei Zählungen von Erfolg (4 bis 56 Prozent) und zwei Studien zur Sterblichkeit, die sich widersprechen. Warum liegen die Zahlen so weit auseinander? | Arbeitsblätter 2 und 5 |
| 3 | Fall Kuba, beide Hälften | Material A: UN-Abstimmungen zum US-Embargo. Material B: politische Gefangene nach Amnesty International und Prisoners Defenders. Argumente belegen, nicht entscheiden, wer recht hat. | Arbeitsblatt 3 |
| 4 | Planspiel „Rat der EU“ | Soll ein Sanktionspaket gegen ein erfundenes Land verlängert werden? Sechs Rollen, Ergebnis offen; Auswertung: Was war schwer zu belegen? | Arbeitsblatt 4, Rollenkarten |
Sekundarstufe I: Bausteine 1, 3 und 4 in gekürzter Form; Sekundarstufe II: alle vier.
Was die Lernenden können sollen
- Embargo, gezielte Sanktion und Blockade im Krieg unterscheiden und je ein Beispiel nennen.
- Erklären, warum Studien zur Wirkung und zu den Folgen von Sanktionen zu verschiedenen Zahlen kommen.
- Am Fall Kuba Argumente beider Seiten mit Quellen belegen: das US-Embargo und die politischen Gefangenen.
- In einem Planspiel eine Rolle vertreten, Interessen erkennen und benennen, was sich nicht belegen ließ.
- Eine Zahl nach sechs Fragen prüfen: Quelle, Spanne, Art der Sanktion, Zeitraum, Gegenstudie, Interessen.
Wenn es im Klassenraum persönlich wird
In vielen Klassen sitzen Jugendliche, deren Familien aus Ländern unter Sanktionen stammen, aus Kuba, Iran, Syrien, Russland oder der Ukraine. Für sie ist das Thema kein Planspiel. Die Mappe ist deshalb so gebaut, dass niemand über die eigene Familie sprechen muss: Alle Aufgaben arbeiten mit Material, nicht mit persönlicher Erfahrung, und das Planspiel spielt in einem erfundenen Land. Wer von sich aus erzählen möchte, kann das; bewertet wird es nicht.
Drei Regeln haben sich in der Planung bewährt und stehen auf den Blättern: Erstens trennt jede Aufgabe zwischen dem, was eine Quelle feststellt, und dem, was man daraus schließt. Zweitens nennt, wer eine Zahl nennt, die Quelle; die Auswertung fragt danach, was sich nicht belegen ließ. Drittens bewertet die Lehrkraft Begründungen, nicht Meinungen. Ein eigenes Urteil der Lernenden ist erwünscht, wenn es belegt ist, und nicht gefordert, wenn sie es noch nicht haben.
Was Sie vorbereiten müssen
Für Baustein 1 und 2 genügen die Arbeitsblätter, ausgedruckt oder digital. Für Baustein 3 ist es hilfreich, die neuesten Zahlen von Prisoners Defenders und das Ergebnis der jüngsten UN-Abstimmung nachzusehen; beide ändern sich, und die Mappe nennt den Stand vom Herbst 2026. Für das Planspiel brauchen Sie sechs Tischgruppen, die ausgeschnittenen Rollenkarten, eine Uhr und eine Tafel für den Entwurf des Vorsitzes. Planen Sie die Auswertung nicht zu knapp: Sie ist der wichtigste Teil.
Vor oder nach der Woche
Die Mappe lässt sich unabhängig von der Woche „Helfen statt Blockieren“ einsetzen. Wer mit einer Klasse eine Veranstaltung der Woche besucht, kann Baustein 1 vorher und Baustein 3 oder 4 danach bearbeiten; die Angebote für Schulklassen stehen unter Für Schulen. Für Volkshochschulen und die Erwachsenenbildung eignen sich besonders Baustein 2 und das Methodenblatt, weil sie ohne Vorwissen auskommen und an Meldungen aus der Zeitung anschließen.
Das Planspiel in Kürze
Der Rat der EU berät, ob ein Sanktionspaket gegen das erfundene Land „Varenien“ um sechs Monate verlängert wird. Im Rat müssen alle Mitgliedstaaten zustimmen. Sechs Gruppen vertreten je eine Rolle: eine Regierung mit viel Handel mit Varenien, eine Regierung mit wenig Handel, ein Hilfswerk, ein mittelständisches Unternehmen, eine Menschenrechtsorganisation und eine Vertretung Vareniens, die gehört wird, aber nicht abstimmt. Eine Lehrkraft oder ein Lernender leitet als Ratsvorsitz. Ein erfundenes Land verhindert, dass die Diskussion sich an Sympathien für ein echtes Land festmacht; der Fall Kuba wird getrennt in Baustein 3 behandelt. Das Ergebnis ist offen; ausgewertet wird nicht, wer gewonnen hat, sondern welche Behauptungen sich belegen ließen.
Dieser Artikel ist eine Information und keine Rechtsberatung. Er stützt sich auf die genannten Quellen; wo Fachleute streiten, nennt er die Positionen mit ihren Trägern. „Helfen statt Blockieren“ ist überparteilich.
Quellen
- Bundeszentrale für politische Bildung: Beutelsbacher Konsens (1976), https://www.bpb.de/themen/bildung/beutelsbacher-konsens/
- Bundeszentrale für politische Bildung: Aus Politik und Zeitgeschichte „Sanktionen“, Heft 8 bis 9/2025 (PDF), https://bpb.de/system/files/dokument_pdf/APuZ_2025-08-09_online.pdf
- Maria J. Debre: Alternative zum Krieg, APuZ „Sanktionen“, bpb, 14.2.2025, https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/sanktionen-2025/559418/alternative-zum-krieg/
- Alle weiteren Zahlen der Mappe: Artikel dieser Reihe (Völkerrecht, Sterblichkeit, Wirkung, Kuba, Berliner Dekret), Quellen dort und auf jedem Arbeitsblatt
Alle Online-Quellen abgerufen am 3. November 2026.
