Seit dem Sommer 2025 haben die Vereinigten Staaten ihre Zölle auf Waren aus der EU mehrmals neu geordnet: per Abkommen, nach einem Urteil und auf neuer Rechtsgrundlage. Für ein Unternehmen, das liefert, heißt das vor allem: neu rechnen, neu deklarieren, neu planen. Ein Überblick mit Belegen.
Sechs Daten, die man kennen sollte
Wer in die USA liefert, hatte in gut einem Jahr mit sechs verschiedenen Ständen zu tun. Die Zeitleiste nennt nur, was für Händler und Mittelstand unmittelbar zählt.
- Gemeinsame Erklärung der EU und der USAFür die meisten Waren aus der EU gilt in den USA eine Obergrenze von 15 Prozent, der bisherige Zoll eingeschlossen. Bei Erzeugnissen aus Stahl und Aluminium erheben die USA weiter bis zu 50 Prozent; sie sollen bis Ende 2026 an die Obergrenze angepasst werden, sonst kann die EU ihre Zugeständnisse aussetzen.
- Ende der US-Freigrenze für kleine SendungenDie USA setzen die Zollfreigrenze von 800 US-Dollar für Sendungen aus allen Ländern aus. Deutsche Post und DHL Paket nehmen nach dem 22. August keine Pakete von Geschäftskunden in die USA mehr an und bieten den Versand ab dem 25. September 2025 wieder an, nun mit verzollter Zustellung und vollständigen Zolldaten. Private Geschenke bis 100 US-Dollar bleiben frei. Seit dem 24. Juni 2026 ist die Freigrenze für alle Wege außer der Post auf unbestimmte Zeit ausgesetzt; gesetzlich endet sie am 1. Juli 2027.
- Urteil des Obersten GerichtshofsDer Supreme Court entscheidet, dass das Notstandsgesetz IEEPA dem Präsidenten keine Zölle erlaubt. Die darauf gestützten Zölle enden. Die Zölle nach Section 232, etwa für Stahl, Aluminium, Kupfer, Holz und Fahrzeuge, bleiben.
- Zuschlag von 10 Prozent für 150 TageErsatzweise gilt ein Zuschlag nach Section 122. Ausgenommen sind unter anderem Arzneimittel, Pkw und Waren, für die schon Zölle nach Section 232 gelten.
- Abkommen in Kraft, neue EU-Regel für PäckchenDas Abkommen zwischen EU und USA tritt in Kraft. Am selben Tag beginnt in der EU ein Pauschalzoll von 3 Euro je Warenposition für Sendungen unter 150 Euro, wenn der Verkäufer das Import-One-Stop-Shop-Verfahren nutzt.
- Neue Zölle nach Section 301Für Waren aus der EU füllt der Zuschlag den regulären Zoll in der Regel bis auf zusammen 10 Prozent auf; liegt der reguläre Zoll schon darüber, kommt nichts hinzu. Arzneimittel und Waren mit Zöllen nach Section 232 sind weitgehend ausgenommen.
Was die Statistik zeigt
2025 lieferten deutsche Unternehmen Waren für 146,2 Milliarden Euro in die USA, 9,4 Prozent weniger als 2024. Die USA blieben trotzdem das wichtigste Empfängerland deutscher Exporte. Von Januar bis November 2025 sanken die Ausfuhren von Kraftwagen und Teilen um 17,5 Prozent und die von Maschinen um 9,0 Prozent; pharmazeutische Erzeugnisse legten um 0,7 Prozent zu.
Im ersten Halbjahr 2026 gingen die Ausfuhren in die USA um 6,1 Prozent auf 73,1 Milliarden Euro zurück, während die deutschen Exporte insgesamt um 3,9 Prozent stiegen. Im August 2026 lagen sie mit 13,5 Milliarden Euro um 22,6 Prozent über dem schwachen August 2025 (kalender- und saisonbereinigt). Ob das eine Wende ist, lässt sich aus einem Monat nicht ablesen.
Milliarden Euro, nicht saisonbereinigt. Linie je Jahr; 2026 bis August.
| Monat | 2024 | 2025 | 2026 |
|---|---|---|---|
| Januar | 11,9 | 11,9 | 11,3 |
| Februar | 13,8 | 13,9 | 11,9 |
| März | 14,4 | 15,2 | 13,1 |
| April | 14,4 | 13,1 | 11,4 |
| Mai | 13,3 | 11,7 | 12,5 |
| Juni | 13,0 | 11,8 | 12,7 |
| Juli | 14,2 | 12,2 | 15,5 |
| August | 12,6 | 9,8 | 12,1 |
| September | 14,6 | 13,3 | noch offen |
| Oktober | 13,3 | 12,2 | noch offen |
| November | 14,3 | 11,3 | noch offen |
| Dezember | 11,5 | 10,4 | noch offen |
Auswertung: Helfen statt Blockieren. Daten: Eurostat Comext, DS-045409, Stand 16.10.2026, abgerufen am 3.11.2026.
Welche Warengruppen verloren und welche gewonnen haben, zeigt unsere Kurzstudie auf Grundlage der Eurostat-Daten.
Was die Unternehmen sagen
In der Umfrage „Going International 2026“ der Deutschen Industrie- und Handelskammer berichteten 69 Prozent von 2.400 auslandsaktiven Unternehmen von mehr Handelshemmnissen, nach 58 Prozent im Vorjahr. Das ist der höchste Wert der Reihe. Von den Betroffenen nannten 66 Prozent höhere Zölle, 51 Prozent örtliche Zertifizierungsvorschriften, 35 Prozent Exportkontrollen und 30 Prozent Sanktionen.
Anteil der befragten Unternehmen, die eine Zunahme von Handelshemmnissen wahrgenommen haben, in Prozent.
| Jahr | Anteil |
|---|---|
| 2013 | 34 % |
| 2014 | 36 % |
| 2015 | kein Wert in der Quelle |
| 2016 | 35 % |
| 2017 | 32 % |
| 2018 | 40 % |
| 2019 | 47 % |
| 2020 | 50 % |
| 2021 | 47 % |
| 2022 | 54 % |
| 2023 | 56 % |
| 2024 | 61 % |
| 2025 | 58 % |
| 2026 | 69 % |
Quelle: DIHK, „Going International 2026“, Befragung von 2.400 auslandsaktiven Unternehmen vom 2. bis 13. Februar 2026. Werte aus der Grafik der Quelle, spaltengenau abgelesen; für 2015 enthält sie keinen Wert.
Nicht alles kommt von außen: 83 Prozent sehen auch hausgemachte Hürden in Deutschland und der EU. 42 Prozent von ihnen nennen Probleme bei der Abwicklung, etwa lange Genehmigungszeiten beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle oder komplizierte Zollverfahren. Große Unternehmen bemerken mehr Hemmnisse häufiger (84 Prozent) als kleine und mittlere (65 Prozent), weil sie in mehr Märkten tätig sind. Unter den Befragten stammen 16 Prozent aus dem Handel, 77 Prozent haben bis zu 249 Beschäftigte.
Kleine Sendungen, großer Aufwand
Für Händler, die einzelne Pakete verschicken, war das Ende der US-Freigrenze ein Einschnitt: Jede Sendung braucht nun Zolldaten, und jemand muss den Zoll zahlen, bevor die Ware ankommt. In die Gegenrichtung gilt in der EU seit dem 1. Juli 2026 der Pauschalzoll von 3 Euro je Warenposition. Er ist befristet, bis die Grenze von 150 Euro im Jahr 2028 ganz entfällt.
Der Handelsverband Deutschland erwartet davon wenig. Hauptgeschäftsführer Stefan Genth sagte im September 2026, Temu, Shein und andere würden sich anpassen und weitermachen. Der Verband fordert eine zentrale Marktaufsicht für Anbieter aus Drittstaaten.
Was Händler jetzt prüfen können
- Zolltarifnummer und Ursprung jeder Ware: Davon hängt ab, ob für die Ware die Regel für EU-Waren oder ein Zoll nach Section 232 gilt.
- Anteil von Stahl und Aluminium: Für Erzeugnisse daraus gelten eigene, höhere Sätze.
- Lieferbedingungen: Wer verzollt und wer zahlt, ist eine Frage der vereinbarten Incoterms. Klauseln für den Fall einer Zolländerung ersparen spätere Streitfragen.
- Pakete: ein Versanddienst mit verzollter Zustellung und vollständige Zolldaten je Sendung.
- Beratung: die örtliche Industrie- und Handelskammer und die Auslandshandelskammer; für Fragen zu EU-Sanktionen der kostenlose EU Sanctions Helpdesk der Europäischen Kommission.
Einordnung
Ob Zölle ein gutes Mittel der Politik sind, beantwortet dieser Beitrag nicht. Er zeigt etwas Kleineres: Jeder Wechsel der Regeln kostet Unternehmen Zeit für Berechnung, Deklaration und Verträge, auch dann, wenn der Satz am Ende sinkt. Planbarkeit ist selbst ein Handelsgut. Wie Händler erlaubten Handel trotz wechselnder Regeln absichern können, beschreibt der Vorschlag „Die Handelsmappe“.
Dieser Beitrag ist eine Information und keine Rechtsberatung. Er gibt die Sicht des Autors wieder. „Helfen statt Blockieren“ ist überparteilich.
Quellen
- Europäische Kommission, Themenseite „EU-US trade deal“ (Gemeinsame Erklärung vom 21.8.2025, Inkrafttreten 1.7.2026), https://commission.europa.eu/topics/trade/eu-us-trade-deal_en
- DHL Group, Pressemitteilung vom 22.8.2025 zu den neuen US-Zollvorschriften, https://group.dhl.com/content/dam/deutschepostdhl/de/media-relations/press-releases/2025/pm-us-zollvorschriften-20250822.pdf
- DHL Group, Pressemitteilung vom 23.9.2025 zur Wiederaufnahme des Warenversands in die USA, https://group.dhl.com/content/dam/deutschepostdhl/de/media-relations/press-releases/2025/pm-wiederaufnahme-paketversand-usa-20250923.pdf
- U.S. Customs and Border Protection, Federal Register vom 24.6.2026, „Indefinite Suspension of the De Minimis Exemption …“, https://www.federalregister.gov/documents/2026/06/24/2026-12670/indefinite-suspension-of-the-de-minimis-exemption-for-merchandise-arriving-through-all-modes-other
- Global Trade Alert, „From IEEPA to Section 122: What Changed on 20 February 2026“, https://globaltradealert.org/blog/from-ieepa-to-section-122
- The White House, Proklamation „Imposing a Temporary Import Surcharge …“ vom 20.2.2026, https://www.whitehouse.gov/presidential-actions/2026/02/imposing-a-temporary-import-surcharge-to-address-fundamental-international-payments-problems/
- Morgan Lewis, „US Administration Rebuilds Global Tariff Program Under Section 301“, Juli 2026, https://www.morganlewis.com/pubs/2026/07/us-administration-rebuilds-global-tariff-program-under-section-301
- Honigman, „Section 122 Tariffs Expire for Many Imports, But New Section 301 Forced-Labor Tariffs …“, Juli 2026, https://www.honigman.com/alert-3462
- Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung N004 vom 20.1.2026 (Januar bis November 2025), https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/01/PD26_N004_51.html
- Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung 056 vom 20.2.2026 (Jahr 2025), https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/02/PD26_056_51.html
- Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung 296 vom 20.8.2026 (1. Halbjahr 2026), https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/08/PD26_296_51.html
- Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung 356 vom 8.10.2026 (August 2026), https://www.destatis.de/EN/Press/2026/10/PE26_356_51.html
- DIHK, „Going International 2026“, Ergebnisbericht (Befragung 2. bis 13.2.2026), https://www.dihk.de/resource/blob/175220/807ae7c80a1c23dde442b20fa753505c/going-international-2026-data.pdf
- Crowe UK, „EU agrees fixed customs duty on small parcels“ (Einigung des Rates vom 12.12.2025), https://www.crowe.com/uk/news/eu-agrees-fixed-customs-duty-on-small-parcels
- VerkehrsRundschau, „HDE: Billiganbieter werden mit Zöllen nicht gestoppt“, 23.9.2026 (Aussage von Stefan Genth gegenüber t-online), https://www.verkehrsrundschau.de/nachrichten/transport-logistik/hde-billiganbieter-werden-mit-zoellen-nicht-gestoppt-3907394
- Europäische Kommission, Meldung vom 11.6.2025 zum EU Sanctions Helpdesk, https://finance.ec.europa.eu/news/sanctions-implementation-2025-06-11_en
- Eigene Auswertung: Eurostat Comext DS-045409, siehe Kurzstudie
Alle Online-Quellen abgerufen am 3. November 2026.
