Helfen statt Blockieren

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Kapitel 3 · Was Vorsicht kostet

Was Vorsicht kostet

Sanktionen wirken nicht nur über Verbote, sondern auch über die Vorsicht derer, die sie befolgen. Diese Zahlen sind belegt; sie messen verschiedene Dinge und lassen sich nicht addieren.

206,1Milliarden US-Dollar

kostete Finanzinstitute weltweit die Einhaltung der Regeln gegen Finanzkriminalität, nach einer Studie mit 1.181 befragten Fachleuten.

Quelle: LexisNexis Risk Solutions, Pressemitteilung vom 26.9.2023

78 %der befragten Institute

sagen, das Geflecht aus Vorschriften und Sanktionen schränke ihr Geschäft ein; in Europa, dem Nahen Osten und Afrika sind es 80 Prozent.

Quelle: LexisNexis Risk Solutions, 26.9.2023, nach Finextra

8,83Milliarden US-Dollar

zahlte BNP Paribas 2014 wegen Verstößen gegen US-Sanktionen zu Sudan, Kuba und Iran. Es ging um Zahlungen in US-Dollar über das US-Finanzsystem.

Quelle: Al Jazeera, 30.6.2014

6,36 %des gesendeten Betrags

kostet eine Rücküberweisung im weltweiten Durchschnitt. Gemessen wird der Versand von 200 US-Dollar.

Quelle: Weltbank, Remittance Prices Worldwide, Startseite vom 18.8.2025, abgerufen 3.11.2026

3 %Ziel bis 2030

Die Ziele für nachhaltige Entwicklung verlangen, die Kosten von Rücküberweisungen unter 3 Prozent zu senken; in keinem Korridor sollen es mehr als 5 Prozent sein.

Quelle: Weltbank, Indikator SI.RMT.COST.OB.ZS, Ziel 10.c

10.2.2025Western Union

bestätigte, die Überweisungen zwischen den USA und Kuba auf unbestimmte Zeit auszusetzen, nachdem die USA den Abwickler Orbit S.A. auf ihre Liste beschränkter kubanischer Stellen gesetzt hatten.

Quelle: Bloomberg Línea, 10.2.2025

Vereinte Nationen, 21. November 2025

Was die Sonderberichterstatterin in Kuba fand

„De-risking und Überbefolgung haben die humanitäre Lage erheblich verschärft.“

Alena Douhan, UN-Sonderberichterstatterin für einseitige Zwangsmaßnahmen, besuchte Kuba im November 2025. In ihrer vorläufigen Erklärung beschreibt sie Banken, die keinerlei Transaktion ausführen, und Transportfirmen, die Lieferungen nicht zusagen. Rücküberweisungen seien offiziell ausgenommen, praktisch aber schwer zu empfangen, seit Western Union sich im Februar 2025 zurückzog. Zahlungen und Einkäufe würden teurer, langsamer und weniger durchschaubar.

Sie fordert die USA auf, die Maßnahmen aufzuheben, und Banken und Firmen, Überbefolgung zu vermeiden. Zugleich erkennt sie die vorrangige Verantwortung Kubas für den Schutz der Menschenrechte an und ruft die Regierung auf, mit UN-Mechanismen zusammenzuarbeiten und weitere Sonderberichterstatter einzuladen. Der Abschlussbericht war für den Menschenrechtsrat im September 2026 angekündigt.

Quelle: OHCHR, Erklärung zum Abschluss des Besuchs, Havanna, 21.11.2025 (Übersetzung des Zitats durch die Redaktion)

Europäische Bankenaufsicht

De-risking könne ein legitimes Mittel des Risikomanagements sein, ungerechtfertigt aber Menschen ausschließen (5.1.2022). Leitlinien vom 31. März 2023, anwendbar seit 3. November 2023: Banken müssen mehrere Möglichkeiten prüfen, bevor sie einen Kunden ablehnen, und feste Schritte einhalten, bevor sie eine Geschäftsbeziehung beenden. Ganze Kundengruppen ohne Blick auf das Einzelrisiko abzulehnen, könne ungerechtfertigt sein. Für die Schwächsten, etwa Geflüchtete und Wohnungslose, gehe es dabei ums Überleben.

Quelle: EBA, Pressemitteilungen vom 5.1.2022 und 31.3.2023 (EBA/GL/2023/04); Finanssivalvonta, 2.11.2023

Bericht an die Generalversammlung

Der Bericht „Sekundäre Sanktionen, Überbefolgung und Menschenrechte“ der Sonderberichterstatterin wurde der UN-Generalversammlung am 4. September 2023 vorgelegt. Er behandelt, wie die Furcht vor Strafen auch erlaubte Geschäfte, Hilfe und Zahlungen verhindert.

Quelle: Vereinte Nationen, A/78/196 vom 4.9.2023

Quellen in diesem Kapitel

  • LexisNexis Risk Solutions, Pressemitteilung vom 26.9.2023
  • LexisNexis Risk Solutions, 26.9.2023, nach Finextra
  • Al Jazeera, 30.6.2014
  • Weltbank, Remittance Prices Worldwide, Startseite vom 18.8.2025, abgerufen 3.11.2026
  • Weltbank, Indikator SI.RMT.COST.OB.ZS, Ziel 10.c
  • Bloomberg Línea, 10.2.2025
  • OHCHR, Erklärung zum Abschluss des Besuchs, Havanna, 21.11.2025 (Übersetzung des Zitats durch die Redaktion)
  • EBA, Pressemitteilungen vom 5.1.2022 und 31.3.2023 (EBA/GL/2023/04)
  • Finanssivalvonta, 2.11.2023
  • Vereinte Nationen, A/78/196 vom 4.9.2023

Alle Belege mit Datum stehen im Quellenverzeichnis.