Helfen statt Blockieren

Für die Schule, Unterrichtsmappe

Sanktionen kontrovers: Arbeitsblätter und Planspiel

· Redaktion Helfen statt Blockieren

Entwurf. Die Prüfung durch Lehrkräfte steht aus. Bitte vor dem Einsatz im Unterricht selbst prüfen.

Die vollständige Mappe zu „Helfen oder Druck machen? Sanktionen im Unterricht“: fünf Arbeitsblätter, sechs Rollenkarten für das Planspiel „Rat der EU“, ein Methodenblatt und ein Rückmeldebogen. Frei für den Unterricht, mit Quellen auf jedem Blatt.

Inhalt

Die Hintergründe zu jedem Baustein stehen in „Helfen oder Druck machen? Sanktionen im Unterricht“ und in den Artikeln „Wirken Sanktionen?“, „564.000 Tote im Jahr?“, „Kuba: Menschenrechte und politische Gefangene“ und „Unterschrieben in Berlin“.

Sanktionen kontrovers · Baustein 1 · Sek I und II · 90 Minuten

Arbeitsblatt 1: Was ist eine Sanktion?

Einstieg. Nach dem Ersten Weltkrieg nannte US-Präsident Woodrow Wilson die Sanktion ein „economic, peaceful, silent, deadly remedy“: ein wirtschaftliches, friedliches, stilles, tödliches Mittel.

Aufgabe 1 (Einzelarbeit, 5 Minuten). Welches der vier Wörter passt für Sie am besten, welches am wenigsten? Begründen Sie in einem Satz.

Drei Begriffe.

  • Embargo: Ein Staat stoppt den Handel mit einem anderen ganz oder zum großen Teil. Beispiel: das US-Embargo gegen Kuba seit Anfang der 1960er Jahre.
  • Gezielte Sanktion: Sie trifft Namen statt Länder, etwa durch Einfrieren von Konten oder Einreiseverbote. Die USA setzten 2025 1.764 Personen und Firmen neu auf ihre Liste.
  • Blockade im Krieg: Eine Kriegspartei sperrt Küste oder Stadt des Gegners. Hier gilt das humanitäre Völkerrecht: Das Aushungern von Zivilisten ist verboten.
Aufgabe 2 (Partnerarbeit, 15 Minuten). Ordnen Sie zu: Berliner Dekret 1806, Hungerblockade 1914 bis 1919, UN-Resolution 232 gegen Südrhodesien 1966, Liste der USA 2025. Welche Maßnahme ist ein Embargo, welche gezielt, welche eine Blockade im Krieg? Wo sind Sie unsicher, und warum?
Aufgabe 3 (Sek II, Gruppenarbeit, 20 Minuten). Die kubanische Regierung nennt das US-Embargo „bloqueo“, also Blockade. Die Vereinten Nationen sprechen von Embargo. Warum ist die Wortwahl umstritten? Was ändert sich rechtlich, wenn man „Blockade“ sagt?

Quellen: Debre, APuZ 14.2.2025 (Wilson); CNAS 29.1.2026 (Liste der USA); Guide humanitarian law (Blockade); Refworld (Res. 232); HsB-Artikel „Unterschrieben in Berlin“ und „Wenn die Blockade Krieg ist“, 3.11.2026.

Sanktionen kontrovers · Baustein 2 · Sek II · 90 Minuten

Arbeitsblatt 2: Wirkt das?

Material. Drei Forschungsgruppen haben gezählt, wie oft Sanktionen erfolgreich waren.

Wie oft Sanktionen als erfolgreich gelten
StudieWas gezählt wurdeErgebnis
Hufbauer und andere, 2007Fälle bis 2000, auch Teilerfolgeetwa ein Drittel
Pape, 1997dieselben Fälle, strengere Nachprüfung5 von 115
TIES, 2014auch angedrohte Sanktionen, verschiedene Definitionen27 bis 56 Prozent

Quellen: Hufbauer, Schott, Elliott, Oegg 2007; Pape 1997 und Morgan, Bapat, Kobayashi 2014 nach Leng, Economic Statecraft.

Material. Zwei Studien zu den Folgen für die Gesundheit kommen bei UN-Sanktionen zu entgegengesetzten Ergebnissen. Die eine (The Lancet Global Health, 2025) findet für UN-Sanktionen keinen belegten Effekt auf die Sterblichkeit, für einseitige Sanktionen rund 564.000 zusätzliche Tote im Jahr (Spanne 368.000 bis 761.000). Die andere (CESifo, 2019) findet für UN-Sanktionen 1,2 bis 1,4 Jahre weniger Lebenserwartung, für US-Sanktionen 0,4 bis 0,5 Jahre.

Aufgabe 1. Nennen Sie drei Gründe, warum die Zahlen zum Erfolg so weit auseinanderliegen.
Aufgabe 2. Eine Zeitung titelt: „Sanktionen wirken nie.“ Eine andere: „Sanktionen sind die Alternative zum Krieg.“ Prüfen Sie beide Überschriften am Material. Was stimmt, was ist verkürzt?
Aufgabe 3. Warum sollte man die Lancet-Studie nicht ohne die CESifo-Studie zitieren, und umgekehrt?

Quellen: HsB-Artikel „Wirken Sanktionen?“ und „564.000 Tote im Jahr?“, 3.11.2026, mit allen Quellen; Lancet Glob Health 13(8) e1358-e1366; CESifo WP 8033.

Sanktionen kontrovers · Baustein 3 · Sek I und II · 90 Minuten

Arbeitsblatt 3: Der Fall Kuba, beide Hälften

Material A: das US-Embargo. Am 28. Oktober 2026 forderte die UN-Generalversammlung zum 34. Mal ein Ende des US-Embargos gegen Kuba: 130 Staaten dafür, 17 dagegen, 25 Enthaltungen; Deutschland enthielt sich. Seit Januar 2025 führen die USA Kuba wieder als Staat, der den Terrorismus unterstützt. Nach Human Rights Watch sagte der kubanische Gesundheitsminister 2025, nur 30 Prozent der wichtigsten Medikamente seien verfügbar.

Material B: politische Gefangene. Die Menschenrechtsorganisation Prisoners Defenders zählte am 30. September 2026 1.351 politische Gefangene in Kuba, darunter 152 Frauen; 496 davon sind verurteilt, aber nicht in Haft. Amnesty International nannte die Freilassungen des Jahres 2025 selektiv; einige Freigelassene kamen wieder in Haft. Eine Arbeitsgruppe der Vereinten Nationen stufte 2024 die Haft zweier Brüder nach den Protesten vom Juli 2021 als willkürlich ein. Die kubanische Regierung bestreitet, politische Gefangene zu halten; die Inhaftierten seien wegen Störung der öffentlichen Ordnung oder Vandalismus angeklagt.

Aufgabe 1 (Sek I und II). Sammeln Sie aus Material A und B je drei belegte Aussagen. Schreiben Sie zu jeder die Quelle und das Datum.
Aufgabe 2 (Sek I und II). Formulieren Sie das stärkste Argument gegen das Embargo und das stärkste Argument für Druck auf die kubanische Führung. Beide müssen sich auf das Material stützen.
Aufgabe 3 (Sek II). „Das Embargo rechtfertigt keine politische Haft, und politische Haft macht das Embargo nicht wirksam.“ Erklären Sie, was dieser Satz meint. Sie müssen ihm nicht zustimmen.

Hinweis für die Lehrkraft: Es geht nicht darum, wer recht hat. Bewertet wird, ob Argumente belegt sind. Ein Urteil der Lernenden ist erlaubt, aber nicht gefordert.

Quellen: HsB „Die UN-Abstimmung einordnen“ (28.10.2026); Prisoners Defenders 15.10.2026; Amnesty International 19.1.2026; Human Rights Watch, World Report 2026; UN WGAD Opinion 66/2024; Reuters 25.5.2026.

Sanktionen kontrovers · Baustein 4 · Sek I und II · 90 Minuten

Arbeitsblatt 4: Planspiel „Rat der EU“

Die Lage. Das erfundene Land Varenien steht seit einem Jahr unter Sanktionen der EU: ein Ausfuhrverbot für bestimmte Technik, eingefrorene Konten von 30 Personen. Anlass waren Verhaftungen von Oppositionellen. Die Sanktionen laufen in zwei Wochen aus. Der Rat der EU entscheidet, ob er sie um sechs Monate verlängert, abschwächt oder auslaufen lässt. Im Rat müssen alle Mitgliedstaaten zustimmen.

Ablauf. 1. Rollen lesen und vorbereiten (20 Minuten). 2. Eröffnung durch den Vorsitz, je zwei Minuten Erklärung jeder Rolle (15 Minuten). 3. Verhandlung in kleinen Runden, der Vorsitz legt einen Entwurf vor (25 Minuten). 4. Abstimmung der beiden Regierungen; die anderen Rollen geben eine Erklärung zu Protokoll (5 Minuten). 5. Auswertung (25 Minuten).

Spielregel für Belege. Jede Rolle darf Zahlen nur aus der Rollenkarte oder aus den Artikeln von „Helfen statt Blockieren“ verwenden. Wer eine Zahl nennt, nennt die Quelle. Die Zahlen auf den Rollenkarten sind erfunden und gelten nur im Spiel.

Regierung von Nordland (viel Handel mit Varenien)

Ihr Ziel: Die Verlängerung nur mit einer humanitären Ausnahme und einer Prüfung nach drei Monaten zulassen.

  • Ihre Firmen verkaufen Maschinen nach Varenien; 4.000 Arbeitsplätze hängen daran.
  • Sie wollen nicht als Land dastehen, das Menschenrechte für Geschäfte opfert.
  • Sie können die Verlängerung allein verhindern, denn im Rat müssen alle zustimmen.

Regierung von Südmark (wenig Handel mit Varenien)

Ihr Ziel: Die Verlängerung ohne Abschwächung durchsetzen.

  • Varenien hat im Frühjahr Oppositionelle verhaften lassen.
  • Ihre Wirtschaft ist kaum betroffen.
  • Sie fürchten, dass ein Ende der Sanktionen als Schwäche gilt.

Hilfswerk „Brücke“

Ihr Ziel: Erreichen, dass Medikamente und Nahrung sicher ankommen.

  • Ihre Überweisungen nach Varenien wurden dreimal von Banken abgelehnt, obwohl sie erlaubt waren.
  • Sie fordern klare Hinweise an die Banken.
  • Sie nehmen zu den Sanktionen insgesamt keine Stellung.

Mittelständler Kessler GmbH

Ihr Ziel: Planbarkeit: wissen, was in sechs Monaten gilt.

  • Sie liefern Ersatzteile für Wasserpumpen nach Varenien.
  • Jede neue Regel kostet Prüfaufwand.
  • Sie wollen nicht verklagt werden, weder in der EU noch anderswo.

Menschenrechtsorganisation „Wachsam“

Ihr Ziel: Gezielte Sanktionen gegen die Verantwortlichen der Verhaftungen erreichen.

  • Sie haben 200 Fälle politischer Haft dokumentiert.
  • Sie lehnen Maßnahmen ab, die die ganze Bevölkerung treffen.
  • Sie wollen Namen auf der Liste, nicht Waren.

Vertretung Vareniens (wird gehört, stimmt nicht ab)

Ihr Ziel: Die Sanktionen beenden.

  • Ihre Regierung nennt die Sanktionen völkerrechtswidrig.
  • Sie sagt, die Verhafteten seien Gewalttäter, keine Oppositionellen.
  • Sie verweist auf Mangel an Medikamenten im Land.
Auswertung 1. Welche Behauptung im Spiel ließ sich am schwersten belegen? Warum?
Auswertung 2. Welche Rolle hatte die meiste Macht, welche die wenigste? Was folgt daraus für echte Entscheidungen?
Auswertung 3 (Sek II). Vergleichen Sie das Ergebnis mit dem Fall Kuba aus Baustein 3. Was ist ähnlich, was anders?

Quellen: Erfundener Fall der Redaktion; Verfahren: Einstimmigkeit im Rat bei Sanktionsbeschlüssen der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik (Art. 29 und 31 EU-Vertrag); Zahlen auf den Rollenkarten frei erfunden.

Sanktionen kontrovers · Baustein 2 · Sek II · auch für die Presse

Methodenblatt: Wie man eine Zahl prüft

Der Fall. 1999 meldete eine Umfrage im Irak, die Sterblichkeit von Kindern unter fünf Jahren sei von 56 auf 131 je 1.000 Geburten gestiegen. UNICEF schloss daraus auf rund 500.000 zusätzliche Kindertode von 1991 bis 1998. Die Zahl ging um die Welt. Spätere Erhebungen ab 2003 zeigen für 1995 bis 2000 etwa 40 je 1.000 und keinen außergewöhnlichen Anstieg. Forschende der London School of Economics halten die Daten von 1999 für manipuliert.

  1. Woher stammt die Zahl? Studie, Zeitschrift, Jahr, Seite.
  2. Wie groß ist die Spanne? Gibt es einen Vertrauensbereich?
  3. Welche Sanktion? Einseitig, UN, umfassend, gezielt?
  4. Welcher Zeitraum, welche Länder? Gilt die Zahl für ein Land oder für einen Durchschnitt?
  5. Gibt es eine Gegenstudie?
  6. Wer hat bezahlt, wer hat ein Interesse? Förderer, Gutachter, Regierung.
Aufgabe. Prüfen Sie die Irak-Zahl von 1999 mit den sechs Fragen. An welcher Frage wäre der Fehler früh aufgefallen?
Übertrag. Suchen Sie in einer Zeitung oder Sendung eine Zahl zu Sanktionen und prüfen Sie sie ebenso.

Quellen: London School of Economics 25.7.2017; Dyson, Cetorelli, BMJ Global Health 2(2) e000311 (2017); HsB „564.000 Tote im Jahr?“, 3.11.2026.

Sanktionen kontrovers · Rückmeldebogen für Lehrkräfte

Rückmeldebogen

Bitte nach dem ersten Einsatz ausfüllen und an die Redaktion zurückgeben. Wir verwenden die Angaben nur, um die Mappe zu verbessern, und nennen keine Schulen oder Namen.

Schulform, Jahrgang, Fach:
Welche Bausteine haben Sie eingesetzt? Reichte die Zeit?
Wo hatten Lernende den Eindruck, eine Seite werde bevorzugt?
Welche Zahl oder Quelle war unklar oder veraltet?

Diese Mappe ist Unterrichtsmaterial und keine Rechtsberatung. „Helfen statt Blockieren“ ist überparteilich; die Mappe nimmt zu keiner bestimmten Sanktion Stellung.

Quellen

Alle Online-Quellen abgerufen am 3. November 2026.